Kollegin mit Grassucht - Bin völlig überfordert

Was mache ich, um der Sucht vorzubeugen bzw wenn es bereits zu spät ist?

Kollegin mit Grassucht - Bin völlig überfordert

Beitragvon Hibernate » So Mär 01, 2009 3:13 am

Hoffentlich darf man das hier so unzensiert veröffentlichen...

Kurz zur Ausgangssituation:
Kollegin mit psychischen Problemen, kleines Problem mit Alkohol und Benzodiazepinen (etwa Valium), mittlerweile relativ exzessiver Cannabisverbrauch. Seit sie vor vielleicht 2 Monaten das erste mal Heroin probierte und das bisher aber nur drei mal sniffte, geht es ihr psychisch auch viel schlechter. Wobei Heroin hier auch gar nicht die Ursache sein muss, sondern vieleher ein als ein Mittel, mit dem sie dem Alltag entfliehen kann. Auch Cannabis raucht sie noch nicht so lange, vielleicht 0.75 Jahr oder so, hat aber schon eine ziemliche Abhängigkeit entwickelt.

Zur mir:
Rauche eher selten, meistens nur an einem Abend/Woche.

Mein Problem:
Ich bin völlig überfordert, wenn sie bei mir um Gras bettelt. Gerade heute Abend wieder rief sie mich an, ob sie nicht schnell was holen könne, sie sei völlig auf den trockenen. Ich meine nein, leider nicht, weil ich jetzt dann gerade ins Kino fahre. Aber morgen ginge es mir den ganzen Tag. Mit mir etwas unternehmen oder Gesellschaft wollte sie nicht, sondern für sich selbst sein, weil es ihr nicht so gut ginge. Nur kommen da plötzlich so SMS, die Versprechen ihr mit ihren Problemen beizustehen seien doch nur leere Versprechen.

Allgemein hab ich bei ihr immer irgendwie das Gefühl, das Grasbeschaffung klar an erster Stelle steht, Gesellschaft mittlerweile an zweiter. Eigentlich kann ich mich jedesmal auf die Frage gefasst habe, ob ich ihr etwas abgeben würde. Also quasi ich als Graslieferant ausgenutzt werde. Wie reagiere ich da? Im Prinzip gab ich bis anhin immer etwas ab. Heute hab ich vielleicht ein wenig die kalte Schulter gezeigt und keine Umstände gemacht, und schon bin ich der Idiot.

Wie würdet ihr da handeln?

Gerade weil sie psychische Probleme hat, ist die Ausgangssituation auch eine völlig andere. Seit dem Kiffen geht es ihr psychisch auch immer schlechter, und irgendwie unterstützt man diese Entwicklung doch auch indirekt, wenn man was abgibt. Andererseits kann "Fallenlassen", gar nichts mehr geben, doch auch keine Lösung sein. Irgendwie kommt sie doch an ihr Gras, und beim Dealer gibts leider auch noch Heroin. Auf jedenfall hat sie mir vorhin gesagt (bzw. irgendwie gedroht), dass sie fast eins "Schuggern" gegangen wäre. Das kann es doch nicht sein, das ein Mensch so der Sucht verfällt, bzw. Freunde plötzlich eher vernachlässigt. Wobei ich auch klar sagen muss, von Drogen und deren sozialen Auswirkungen habe ich nicht wirklich eine Ahnung. Vielleicht hat ja hier jemand mehr Erfahrungen darin, kann sich mehr in meine Kollegin einfühlen?
Hibernate
 
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Re: Kollegin mit Grassucht - Bin völlig überfordert

Beitragvon Smokey » Mo Mär 16, 2009 5:17 pm

Hallo Hibernate

Das mit deiner Kollegin scheint dich ja sehr zu beschäftigen! Du hast etwas von psychischen Problemen erwähnt, welche sie hat. Darf ich fragen, welche psychischen Probleme sie genau hat? Prinzipiell kommt mir deine Kollegin so vor, als würde sie "suchtverlagern": Alkohol, Benzos, Gras, Heroin, ...

Auf jeden Fall empfehle ich, dass sie sich in professionnelle Betreuung gibt! Wobei ich mit "professionelle Betreuung" an dieser Stelle nicht gleich einen stationären Aufenthalt meine. Als erster Schritt tut hier schon ein Besuch bei einem Psychologen / Psychiater deiner/ihrer Wahl gut, mit dem man die weiteren Schritte (zB medikamentöse Behandlung) bespricht. Sofern hier schon eine Besserung erziehlt wird und/oder die Ursachen für den Konsum gefunden werden, ist möglicherweise gar kein stationärer Aufenthalt nötig.

Natürlich gibt es trotzdem auch Stellen, wo einem ein stationärer Aufenthalt angeboten wird. Diese Stellen sind beispielsweise:

- Grüner Kreis (http://www.gruenerkreis.at/ )
- Zukunftsschmiede (http://www.zukunftsschmiede.com/ )
- Anton Proksch Institut ("Kalksburg", http://api.or.at/ )

Vom "Anton Proksch Institut" weiß ich, dass es auch die Möglichkeit gibt, eine ambulante Therapie zu "absolvieren". Dies ist unter Anderem auch dann von Vorteil, wenn man beispielsweise "beruflich eingeschränkt ist" und nicht 2 Monate krank sein "darf", ohne gleich den Job zu verlieren.

Ich empfehle, dass deine Kollegin möglichst bald einen Arzt ihres Vertrauens aufsucht. Denn wenn sie hier noch weiter reinkippt, besteht möglicherweise auch die Gefahr, dass sie durch "Beschaffungskriminalität" auf die schiefe Bahn gelangt. Dem könnte man zwar theoretisch durch "selber anbauen" vorbeugen, doch damit wäre ihr sicherlich nicht geholfen und sie würde noch weiter in diesen Kreislauf reinrutschen (hoffentlich liest sie das jetzt nicht ;-) ).

Entscheidend ist meiner Meinung nach jedoch, dass sie/du/ihr den Grund findet, warum sie ein solches Suchtverhalten an den Tag legt. Hat sie etwas erlebt, was der Ausschlag hierfür sein könnte? (zB Vergewaltigung, Trennung eines langjährigen Partners, Verlust eines geliebten Menschen, Kind verloren, ...)


Liebe Grüße,

Smokey
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